Glaukom
Die heterogene Gruppe der Glaukome stellt die zweithäufigste Erblindungsursache in den Industrienationen dar. Zwar treten die meisten Glaukomerkrankungen spontan auf, es gibt aber auch ein überzufällig familiäres Auftreten, was auf eine erbliche Komponente schließen lässt, die neben Alter und erhöhtem Augeninnendruck ein Hauptrisikofaktor für die Entstehung eines Glaukoms ist. Beim primären Offenwinkelglaukom, der häufigsten Glaukomform, ist ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko für Angehörige ersten Grades (z.B. 10 % bei Geschwistern, Wolfs et al. 1998) zu beobachten. Einzelne Glaukomtypen, wie zum Beispiel das angeborene Glaukom oder das juvenile Glaukom, welches schon in frühem Erwachsenenalter auftritt, kann man in vielen Fällen auf ein fehlerhaftes Gen zurückführen. Etwas komplexer ist die Situation bei den chronischen Glaukomen älterer Patienten. Von den insgesamt mindestens neun kartierten Glaukom-Genloci konnten bis zum heutigen Tag erst vier Gene (MYOC, CYP1B1, OPTN und WDR36) identifiziert werden (Stone et al. 1997, Stoilov et al. 1997, Rezaie et al. 2002, Monemi et al. 2005). Die Bedeutung dieser vier Gene für die Hauptmasse der nichtfamiliären Glaukomerkrankungen ist nicht eindeutig geklärt; typische Genmutationen wie bei den monogen verursachten Fällen findet man nur bei 2-7% der Patienten in unselektierten Kollektiven (z. B. Aldred et al. 2004). Wie viele Gene tatsächlich an der Erkrankung beteiligt sind, und wie sie eventuell zusammenwirken, ist noch nicht bekannt. Offensichtlich gibt es verschiedene Gene, die zu einem Glaukom führen können, wenn sie krankhaft verändert sind. Umgekehrt weiß man, dass eine Mutation eines dieser Gene allein noch nicht unbedingt zu einer Glaukomerkrankung führen muss. Man geht deshalb davon aus, dass auch Umwelteinflüsse (exogene Faktoren) eine Rolle spielen: die Glaukomerkrankung tritt also erst dann auf, wenn zusätzlich bestimmte Umwelteinflüsse vorhanden sind. Die Erforschung der genetischen und exogenen Faktoren liefert die Grundlagen der Früherkennung und dient dem Verständnis des Krankheitsverlaufs.
Unsere Probenbank umfasst mittlerweile mehr als 250 klinisch gut charakterisierte Glaukompatienten, die klinisch und genetisch untersucht wurden. Screeningmethoden zum Nachweis von Mutationen in den bereits bekannten "Glaukomgenen", MYOC, CYP1B1 und OPTN, sowie für die Gene PITX und FOXC1 zur Analyse von Patienten mit Axenfeld-Rieger-Syndrom konnten erfolgreich etabliert, und mehrere Fälle mit Mutationen in allen fünf Genen identifiziert werden. Besonderes Augenmerk wird von uns auf die Rekrutierung von Patienten mit familiärer Glaukom-Belastung gelegt, die natürlich unmittelbare Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung klinisch-genetischer Studien sind. Des weiteren umfasst das Projekt die Identifizierung genetischer Risikofaktoren für die Entstehung eines Normaldruckglaukoms, sowie die funktionelle Charakterisierung von Optineurin (OPTN), welches mit dem Absterben retinaler Ganglienzellen, ähnlich wie es beim Glaukom auftritt, in Verbindung gebracht wird.

